Blick in die Tiefe I
Den Grand Canyon im Westen der Vereinigten
Staaten von Amerika wurde vom Colorado River tief in die
Schichten aus gelbem, orangefarbigem, rotem und
braunen Sandstein eingeschnitten. Das Flussbett des Colorado
am Talgrund liegt 1350 m tiefer als das Plateau der Mesa
oben.
Als ich mich nach
meilenlanger Fahrt durch die Wüste von Las Vegas her
spät
abends endlich meinem Ziel näherte,
stoppte ich an einem beliebigen Parkplatz an der Straße,
um einen Blick in die Karte zu werfen. Es lag Schnee und
ich hatte keine Ahnung, wo ich war, nur dass ich die Abfahrt
zum Nationalpark-Zentrum schon verpasst hatte. Ich stieg
aus und trat an die Mauer, die den Parkplatz begrenzte.
Gähnend
tat sich unter mir der Abgrund des Canyons auf, ein riesengroßes
tiefes Loch in der Erde, ich wurde von Schwindel erfasst.
Totenstill schien der Vollmond auf die zerklüfteten
Hänge,
die schütteren
Kiefern von frischem Schnee überstäubt, ein leises
Pfeifen vom Wind, sonst nichts.
Am nächsten Tag wanderte ich auf dem Bright Angel
Trail hinunter in den Canyon zum Plateau Point. Ich traf
nur einige wenige Touristen und Maultiere. Beinahe stolperte
ich über
eine Klapperschlange, die noch steif von der Kälte
langsam zwischen den Steinen und Kakteen über den
Pfad kroch.

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